Schmuckausstellung in Grado «Wiener Bijou», 2015

Werner Rosenbergers «Im Cottage»

Im Cottage Buch 2014 sml

Eine weitere Huldigung des gründerzeitlichen Grünviertels im heutigen 18. Bezirk. Werner Rosenberger muss ich danken, dass er aufmerksam genug war um die Villa des Schmuckfabrikanten Georg Adam Scheid in der heutigen Gregor Mendel Straße 25 in sein Buch aufzunehmen. Sie gehört zu der Geschichte der Pioniere im Cottage, ein Umstand, den Rosenberger nicht beschreibt, den er auch nicht wirklich wissen kann.

Das Cottage um die Jahrhundertwende war eigentlich ziemlich unbequem zu bewohnen.
Im Winter keine Schneeräumung und bei Regen eine Schlammrutsche von oben bis unten. Aber wer modern sein wollte, es sich leisten konnte und dem Fortschritt verpflichtet war, musste da wohnen.

Georg Adam Scheid war es! Mit 15 Jahren lief er aus seinem Elternhaus in Baden Wüttenberg davon und schlug sich nach Pfortsheim durch. In der Stadt des Schmuckes lernte er das kennen, was er später in Wien als Fabriksinhaber produzieren sollte: hochwertige Gold und Silberwaren - und eben auch Auchentallers Kreationen, wobei der Künstler sein Schwiegersohn geworden war.

Werner Rosenberger betitelt das Kapitel über Auchentaller:
«Georg Adam Scheid, der Secessionist und der Magnetiseur». Er erzählt Bekanntes wie weniger Bekanntes.
Ok, die sogenannte Villa Scheid von damals ist heute die Botschaft der Republik Korea - bekannt!
Die Villa wurde von Architekt Josef Hackhofer geplant und errichtet. Hackhofer ist heute einer der weniger bekannten Architekten des Wien um 1900, aber Erbauer von manchen Prunkstücken der Stadt (z.B. der Brücke über den Tiefen Graben u.a.m) - ziemlich unbekannt!
Aber das Valentin Zeileis, ein Magnetiseur, also eigentlich ein Heiler, verheiratet mit einer Mautner-Markhof (so wie Kolomann Moser), dort zu wohnen und zu arbeiten begann und ab 1906 die Villa seinen Bedürfnissen gerecht umbaute (und daher zumindest das bekannte Jugendstilfenster von Auchentaller auf die Müllhalde warf) bleibt unerwähnt - also unbekannt!

Nun gut, dafür sind ja auch wir da.

Von den Wandvertäfelungen Auchentallers für das Musikzimmer in der Villa Scheid, in dem seine berühmten
Beethoven Bilder eingefasst waren, wollen wir hier gar nicht weiter sprechen.
Immerhin: die acht Gemälde sind erhalten, zogen zu erst vom Cottage in das Landhaus Scheid in Maria Enzersdorf, dann in die riesige Villa der Thonets, dem
Lehenhof bei Scheibbs und 1938 mit den Thonets in die Nähe von Gmunden.

Jedenfalls hatte Georg Adam Scheid dem Cottage eine Note zugefügt, wie auch der ihm nachfolgende Valentin Zeileis.
Werner Rosenberger hat zu Recht ein sehr unterhaltenden Buch geschrieben.

Christine Casapicolas «Nächstes Jahr im Küstenland»

casapicola-cover

Die Linzerin Christine Casapicola arbeitet in Wien und lebt teilweise auch in Cormons, in der Nähe von Gorizia (Görz) und Grado. Mit elegantem Spürsinn erforscht sie die fast vergessenen Geschichten aus diesem Teil der ehemaligen k.u.k Monarchie in Norditalien und trifft dabei - wohl nicht verwunderlich - bald auf den Jugendstilmaler und ehemaligen Grado Bewohner Josef Maria Auchentaller. Sie verfolgt seine Spur und landet dabei bei Erika Auchentaller-Marchina, der Enkelin des Künstlers, in Südtirol.

Was Egyd Gstättner in seinem Buch dramatisiert, in dichterischer Freiheit bis ins Fantastische erweitert und in einem faszinierenden Roman zusammen fasst: nämlich das einzigartige und unglaubliche Schicksal eines Josef Maria Auchentallers, bringt Christine Casapicola - als erfolgreiche Steuerberaterin an nüchterne Fakten sichtlich gewöhnt - durch das Narrativ von Erika Auchentaller auf einen Punkt: Auchentaller war zwar der einst berühmte Maler, aber seine Frau Emma war die Chefin des «Fortino»! Eines der erfolgreichsten Jungendstilhotels in Grado, ganz vorne am Meer. Im Fortino gingen bis 1914 die Größen des Jugendstils aus Wien ein und aus.

Ab 1920 fand der Maler Auchentaller aber keine Beachtung mehr. Seine Kunst war aus der Mode, sein künstlerischer Mittelpunkt, die Secession in Wien, Geschichte und das ehemalige große Österreich zerschlagen. Kunstgeschichte wurde in Berlin, Paris und London gemacht, sicherlich nicht in Wien und schon gar nicht in Grado. Grado hat die Karriere Auchentallers zerstört, ja beendet.

Viele der anderen Geschichten und Erzählungen in Casapicolas Buch schöpfen aus ähnlichen Perspektiven, entweder einer wandert aus oder einer siedelt sich an. Das Küstenland selber wird zum Katalysator, es beschleunigt oder verlangsamt Entwicklungen der handelten Personen ohne sich selbst wesentlich zu verändern.

Egyd Gstättner schreibt einen Künstlerroman und wird zum Reiseführer durch die Welt um 1900.


Gstaettner Lesung-96
Andreas Maleta (li) und Egyd Gstättner (re), Oktober 2013


«DAS GEISTERSCHIFF» von Egyd Gstättner, Picus Verlag, 2013


Im August 2013 erschien der Künstlerroman «Das Geisterschiff» vom Kärntner Autor Egyd Gstättner über das Leben des einst sehr bekannten Jugendstilmalers Josef Maria Auchentaller, der ab1904 seinen Wohnsitz im Sommer nach Grado verlegte und 1949 dort verstarb. Eine wunderbare, berührende, ja kulturgeschichtlich bedeutende Lebensgeschichte über das tragische, wie auch komische Schicksal eines Künstlers, der einst neben Klimt in der Wiener Secession ebenfalls ein Fries anfertigte, heute aber völlig vergessen ist. Bedeutend deshalb, weil Gstättner sich sehr in die biografischen Aspekte des Malers und seines Umfelds hinein vertieft, jedes Detail akribisch verfolgt und deswegen auch kulturgeschichtliche Relevanz erreicht, da es ihm gelingt, den bekannten Auchentaller, mit all seinen tragisch-komischen Schicksalsschlägen, durch einen zweiten,«möglichen», Auchentaller stimmig in ein Gesamtkunstwerk zu formen, das sicherlich auch Stoff für einen erfolgreichen Spielfilm wäre. Da fließen Dichtung und Wahrheit ineinander, so wie die Wellen der Adria in Grado. Das Auchentaller Hotel «Pension Fortino», eigentlich das Hotel seiner Frau Emma (er fühlt sich an diesem Ort ja bloß als ungeliebter «Prinzgemahl») wird einmal zu Schiff, dann zum Geisterschiff an der Diga, den Wellenbrechern von Grado, ganz vorn, direkt am Meer gelegen, mit der Frühstücksterrasse als Bug. Dieses Jugendstilschiff, vom berühmten Wiener Architekten Julius Mayreder geplant und 1903 bis 1904 erbaut und von Auchentaller mit sehr viel Können und Liebe «sgraffitiert» und ornamental ausgestattet, machte das knapp vor der Jahrhundertwende noch ziemlich unbekannte Seebad Grado plötzlich unglaublich beliebt. Die Auchentallers erhielten für ihr «Fortino» die Hotel-Lizenz Nr. 4, danach folgte ein steiler Aufschwung. Das Fortino wurde zu ihrem Schiff durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Als das Jugendstilschiff zum «Geisterschiff» wird, erreicht der Roman seinen Höhepunkt. Der Maler fällt in Ohnmacht und damit treibt Gstättner die Dichtung an die Spitze. Der weltbekannte britische Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle (Sherlock Holmes) lässt in einer spiritistischen Sitzung im Fortino Gustav Klimt persönlich erscheinen. Die Wahrheit ist viel banaler: Doyle hat es nur bis Vorarlberg ins Internat geschafft, in Grado ist er nie gewesen. Als das Fortinoschiff die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts durchquert hatte, wurde es durch den Weltkrieg zum echten Geisterschiff und zu Schrott gefahren. In den Zimmern waren Soldaten einquartiert und der Krieg hinterließ einen löchrigen Dachstuhl und es regnete herein. Die Sgraffitti an den Außenmauern waren kaum mehr erkenntlich – später wird man sie, wie das Auchentaller Fries von 1902, abschlagen. In den Fünfzigern verkauft, renoviert, mit einem weiteren Stockwerk versehen und in viele kleinere und größere Wohnungen aufgeteilt ist heute ein Appartement-Schiff entstanden, in dem sich kein Auchentaller-Geist mehr aufhält. Gstättner schreibt am Ende seines Romans: «Im gesamten Ortsbild Grados findet sich kein sichtbarer Beleg für einen Auchentaller - ebenso wenig übrigens im Secessionsgebäude zwischen Karlsplatz und Naschmarkt in Wien. Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Vergänglichkeit...». Wir haben das Gedenken über den Ausbruch des Ersten Weltkrieg 1914 mit vielen Erinnerungen, Informationen und geschichtlichen Betrachtungen hinter uns gebracht. Für diese Reise in die Welt von Vor-vor-gestern, wäre ein Reiseführer hilfreich, der nicht nur das Außergewöhnliche, das Dramatische schildert, sondern auch das ganz Banale, das Ortsübliche wie Hochnotwendige. Das Leben von Josef Maria «Pepi» Auchentaller wird hier zum Maßstab, wo ein außergewöhnlich begabter und erfolgreicher Jugendstilmaler aus Wien durch banalen Geldmangel ins Exil nach Grado gelangt und 1918 vom Krieg und Zusammenbruch gleichsam erschlagen wird. Nie wird er sich von diesen Schicksalsschlägen erholen, als Künstler war er ausgelöscht, der Jugendstil in der Versenkung verschwunden, Wagner, Klimt, Schiele und Moser innerhalb eines Jahres (1918) verstorben. Auchentaller lebte noch bis 1949. Selbst der zweite Krieg blieb ihm in Grado nicht erspart. Auchentallers Schicksal, von Egyd Gstättner zu einem Künstlerroman geformt, wurde zum Reiseführer durch diese ferne Zeit, die berührt, die nachdenklich macht...


Die Adria Ausstellung im Wien Museum 2014

Im Winter 2013/14 eröffnete das Wien Museum die Ausstellung: «Österreichische Riviera, Wien entdeckt das Meer!»
Eine sehr umfassende Darstellung der berühmten Badeorte der Monarchie, wobei ja nicht nur Wiener dorthin reisten. Allerdings kommt bei der Darstellung Grado viel zu kurz, während Brioni, Abbazia und andere Ort im heutigen Kroatien bis ins kleinste Detail vertreten sind. Es wird zwar Auchentaller’s Plakat «Seebad Grado» an vorderster Stelle abgebildet und immer wieder auch als Werbung für die Ausstellung verwendet, nur leider fehlt überall der Hinweis auf den Künstler, daher ist diese Ausstellung was Grado betrifft sicherlich mangelhaft.

Natürlich waren die Nobelorte an der dalmatinischen Küste bereits lang vor Grado entwickelt und wurden vermehrt von der Aristokratie besucht, Grado hingegen war ein durch und durch «bürgerlicher» Erholungsort, dafür kamen die bekanntesten Künstler und Architekten in die Pension Fortino der Auchentallers.

Am besten eignet sich der im Sommer 2013 erschienene Roman von Egyd Gstättner («Das Geisterschiff - Ein Künstlerroman», Picus Verlag, Wien) um die damalige Bedeutung Grados zu begreifen und auch die wichtige Rolle Josef Maria Auchentallers und seiner Frau Emma zu verstehen.
In einem Radiointerview mit Gstättner auf Ö1 (Von Tag zu Tag, 30.10.2013) wird nach einer ausführlichen Schilderung über Auchentaller und Grado einer der Kuratoren der Wien Museum Ausstellung zugeschaltet, der aber - wie könnte es anders sein - für Auchentaller nicht viel übrig hat, sondern über seine Ausstellung spricht als hätte es Auchentaller und Grado nie gegeben.