Mitglieder der Familien
Scheid, Thonet, Auchentaller, Hörde

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© amp archiv, Galelrie punkt12, Wien, 2016,

Bei einer Theateraufführung zum Geburtstag von Hermine Scheid, der Mutter, 1912, in Maria Enzersdorf. Alle Personen auf dem Foto haben eine Rolle in dem von Elsa Hackhofer geschriebenen Stück.
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Als Georg Adam Scheid 1858 als junger Mann mit gerade mal zwanzig Jahren nach Wien kommt, lernt er die Tochter seines späteren Geschäftspartners Michael Markowitsch kennen.

Scheid handelte damals – es klingt fast unglaublich – mit Wein in Fässern aus seiner Heimat Baden-Württemberg. Das aber nur, um sich neben seinem Schmuckvertretertum noch ein Körberlgeld zu verdienen. Er war viel auf Reisen durch die Monarchie und hatte schnell die Vor und Nachteile seiner Branche erkannt: sie war hoffnungslos veraltet und moderne Produktionsprozesse wenig verbreitet.

Damals ging es aber nicht um Massenproduktion. Der Wunsch Scheids war es, Serien von erlesenem Schmuck und Gebrauchsgegenstände aus Edelmetallen zu erzeugen und zwar auf höchster Ebene und mit größter Kunstfertigkeit.

In Wien fand er bald einen Partner für diesen Plan: Michael Markowitsch, ein eingesessener Gold und Silberschmied aus Gumpendorf, dem VI. Wiener Gemeindebezirk. Und auch gleich eine Partnerin fürs Leben: Hermine, die Tochter seines Kompagnons.

Hermine Markowitsch war gerade zarte 16 Jahre alt, als Scheid um ihre Hand anhielt. Die Verbindung wurde in der Evangelischen Kirche auf der Gumpendorferstraße geschlossen und hielt die beiden ein Leben lang in einer innigen Verbindung zusammen – eine Bilderbuchehe also.

So wie privat hatte Scheid auch im geschäftlichen Leben meistens großen Erfolg. Mit 44 Jahren trennt er sich von seinem Partner Markowitsch und errichtet in der Gumpendorferstraße 85 seine eigene Erzeugung, wo auch heute noch die Nachfolgefirma ÖGUSSA zu Hause ist.

Inzwischen waren auch 10 Kinder zur Welt gekommen, davon gleich 6 Mädchen und 4 Knaben. Eine Tochter starb mit ein paar Monaten, zwei Söhne fielen tragischen Unfällen zum Opfer: Arthur, ein toller Sportler, lief von Wien nach Maria Enzersdorf mit einer Pferdekutsche um die Wette und überlebte die Folgen der Überanstrengung nicht. Ernst Scheid, der geliebter und hochbegabter Sohn ertrank 1900 in der Donau. Lange brauchte der Vater, um über diesen Verlust hinwegzukommen. Selbst sein jüngster Sohn, Ludwig, hatte sich, gegen den Willen des Vaters, in Amsterdam auf einem Schiff nach Indien anheuern lassen.

1903 konnte Georg Adam Scheid seine Trauer langsam vergessen. Im Juli heiratete Martha, seine schönste Tochter, ihren Victor aus der Thonet Möbeldynastie. Die Heirat fand in Budapest statt, wo Scheid eine sehr erfolgreiche Filiale seiner Firma betrieb. Und auch alle anderen Familienmitglieder und bedeutenden Schwiegersöhne waren anwesend.

Seine erstgeborene Tochter Emma hatte 1891 den vielversprechenden Maler und Designer Josef Maria Auchentaller geheiratet, der inzwischen in der Secessionsbewegung neben Gustav Klimt und einigen anderen eine wichtige Rolle spielte. Auchentaller entwarf modernen Jugendstilschmuck für Scheids Schmuckproduktion und bei der Pariser Weltausstellung 1900 hatte er damit großen Erfolg gehabt. Die Auchentallers waren mit der Familie Mayreder eng befreundet. Rosa Mayreder, die bekannte Frauenrechtlerin, hatte großen Einfluss auf Emma Auchentallers spätere Hotelpläne in Grado. Dafür ging ihr Mann bei den Zacherls ein und aus und gestaltete für Johann Zacherls Weltfirma den Zacherl-Shop im 1. Bezirk.

Dann war da auch noch Elsa, seine literarisch begabte Tochter, die ständig an Theaterstücken schrieb. Sie hatte sich den Architekt Josef Hackhofer als Ehemann ausgesucht, der wiederum seinerseits mit Architekt Friedrich Ohmann die gesamte Wienfluss Verbauung und weitere große kommunale Projekte plante. Friedrich Ohmann war Mitte der 1890er Jahre neben Otto Wagner der wichtigste Architekt in Wien. Wo Otto Wagners Planungen Stadtbahntrassen und Stationen vorsahen, errichteten Ohmann und Hackhofer, gleichsam im selben Graben , die Wienfluss Verbauung, viele Brücken und den gesamten Stadtpark inklusiver der Gebäude. Die Eisenkonstruktion vom Palmenhaus im Burggarten trägt Josef Hackhofers Handschrift, die Brücke über den Tiefen Graben ist sein alleiniges Werk.

Die Ehe zwischen Victor und Martha Thonet war auch eine sehr glückliche, nur geschäftlich verloren die Thonets nach dem Ersten Weltkrieg ihre Firma. Victor musste seine Anteile verkaufen und aus der Familienvilla in Bystritz, Mähren, wo er aufgewachsen war 1925 ausziehen. Der Verkaufserlös reichte auf alle Fälle für ein kultiviertes und großzügiges Landleben in Niederösterreich.

Georg Adam Scheid hatte also mit seinen Kindern bis ins hohe Alter eine große Freude. Selbst Sohn Ludwig kam wieder aus Indien zurück und übernahm mit Bruder Robert die Nachfolge in der Schmuckfirma und Scheideanstalt Scheid.
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