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Auchentaller's Fortino

1904 - 1949

Das Fortino 2015 und 1904
Fortino, 1925
Fortino, 1937
Appartments, 2011
Fortino rechts oben, 1955
Nach Fertigstellung, 1904
Auchentaller Buchcover
Prospekt, um 1910
Im Boot nach Grado, 1914
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Bereits vor der Jahrhundertwende waren Mitglieder der Familie Scheid in Grado auf Erholung und wohnten im «Hotel Post». Ab 1902 kam Emma Auchentaller regelmäßig, ihre Tochter war kränklich. Strand und Sonne wirkten Wunder. Emma war umtriebig, bald kannte sie alle wichtigen Leute in dem kleinen Fischerdorf. Die Bürgermeisterfamilie Marchesini war ihr besonders gewogen und unterstütze sie tatkräftig. Emma begann die Idee einer Pension am Meer zu planen und umzusetzen. Ihr in Wien malender Mann hatte durch die aufwendigen Arbeiten an seinem Beethoven Fries für die Secession 1902 viele Aufträge verloren.

Das Geld für die Errichtung der «Fortino» genannten Pension kam aus drei Quellen: vom damals sehr bekannten Schriftsteller Emil Ertl aus Graz, für den Auchentaller einen Buchcover entworfen hatte (siehe oben), von Dr. Grabmayr, einem Freund der Familie und von Emmas Vater, dem Schmuckfabrikanten Georg Adam Scheid.

Emma kaufte das wohl beste Grundstück im Ort: das alte napoleonische Fort, ganz vorne am Meer. Der Baubeginn war 1902, Dr. Toni Marchesini hatte es möglich gemacht. Auf den Ruinen des alten Forts entstand die «Pension Fortino» und eröffnete im Sommer 1904.

Das Fortino und auch Grado entwickelten sich prächtig, Emma Auchentaller hatte mit ihrem Plan vollen Erfolg, nur ihr Mann vereinsamte kulturell und künstlerisch in dem aufstrebenden Touristenort. 1910 gab es die erste Kriese, Pläne über einen Verkauf wurden gewälzt dann aber wieder verworfen.

1905 kaufte Emma die Laguneninsel Morgo um die Versorgung für die Gäste zu sichern, Gemüse und Milch gab es einfach noch zu wenig. Auf der Insel errichtete sie den «Peterhof» und eine große Landwirtschaft. Im Sommer 1908 wurde der 70. Geburtstag von Georg Adam Scheid, Emmas Vater, auf Morgo ausgiebig gefeiert.

Anfang August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus, die Auchentallers hatten die Auswüchse des Italienischen Irredentismus, also die feindliche Stimmung gegenüber Österreich-Ungarn, bereits mitbekommen. Sie gaben das Fortino auf und zogen sich ins Hinterland zurück. Mit dem Eintritt Italiens in den Krieg an der Seite der Entente im Mai 1915 zieht die Familie an den Grundlsee, ins elterliche Sommerhaus im steirischen Salzkammergut.

Ganze fünf Jahre werden die Auchentallers ihr Fortino nicht mehr sehen. Das Haus und die Insel überleben und Emma erhält 1919 ihre Besitzungen im zu Italien gewordenen Grado zurück. Ab 1920 gelingt langsam wieder ein Aufschwung, der sich bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges erfolgreich erweitert.

Als die Deutsche Wehrmacht Norditalien besetzt, wird auf der Insel Morgo eine FLAK Station errichtet. Nach Vertreibung der Deutschen kommen die Engländer und das Fortino wird erst Lazarett dann Soldatenheim, die Bausubstanz leidet. Emma stirbt 1945, vier Jahre später Josef «Pepi» Auchentaller, Sohn Peter verkauft Morgo und das Fortino und zieht zurück in die Berge nach Südtirol.

Das Fortino ist heute ein Apartmentkomplex mit herrlich gelegenen Eigentumswohnungen und tollem Meeresblick. Früher waren das die beliebten Fremdenzimmer. Seit der im Jahr 2015 statt gefundenen Auchentaller-Scheid Schmuckausstellung
«Wiener Bijou» in der ehemaligen Musikschule, gleich hinter dem Fortino, erinnert sich Grado wiederum gerne an die einstige Gründerfamilie. Rund um die ehemalige Auchentaller Pension stehen jetzt witterungsfeste Tafeln mit alten Ansichten von Grado und dem Fortino.

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Eröffnung der Auchentaller-Scheid Ausstellung «Wiener Bijou», Juni 2015
«Wiener Bijou» in Grado 2015